Proteste gegen Pegida NRW

Pegida und Polizei
Gestern, den 18. Mai 2015, sind wir nach Duisburg gefahren, um gegen die flüchtlings- und islamfeindliche Hetze von „Pegida NRW“ bzw. „Duigida“ zu protestieren.
Die Anreise verlief sehr entspannt. Uns hat gewundert, dass der Bahnhof kaum mit Polizei besetzt war. Auch das Bild auf dem Bahnhofsvorplatz war kurios: Statt Gittern hatte die Polizei ein paar ihrer Autos in gut 10 Meter Abstand aufgestellt – mit Flatterbändern, die dazwischen gespannt wurden, sollten die beiden Seiten voneinander getrennt werden.

Pegida konnte etwa 50-60 Menschen mobilisieren, die Teilnehmenden setzten sich aus verschiedenen rechten Gruppierungen und Einzelpersonen zusammen. Interessant war auch die „Gegen Nazis“-Fahne, die Pegida NRW erneut dabei hatte, wenn man die HoGeSa-Beteiligung beachtet:
HoGeSa
Von den Reden oder Sprüchen war kaum etwas zu hören, und ihr „Spaziergang“ dauerte etwa 20 Minuten. Alles in allem also eine Veranstaltung von einer Stunde.

Der Gegenprotest war nicht viel größer, schätzungsweise 70 Menschen folgten dem Aufruf. Diese standen die meiste Zeit verstreut herum, autoritär-kommunistische Gruppen wie die MLPD verteilten Flyer, sammelten Spenden und spielten Musik vom Band. Es gab auch ein paar Redebeiträge, u.a. von einem kleinen Jungen islamischen Glaubens, der sich gegen Waffen(lieferungen) aussprach und dabei in Tränen ausbrach. Es gab auch einen französischen Rap eines algerischen Geflüchteten.
Nun etwas Kritik: Trotz der offensichtlichen Möglichkeit zu blockieren passierte nichts. Auf das Drängen einiger Antifaschist*innen fanden sich ein paar Menschen, die blockieren wollten. Auf der Strecke angekommen gaben sie jedoch auf, da ihre Zahl zu gering war und sie außer einer Festnahme nichts erreicht hätten.
Gegenprotest
Für uns scheint die Spaltung in der Duisburger antifaschistischen Szene die Konsequenz nach sich zu ziehen, dass die Rechten massiv davon profitieren. So müssen sie sich lediglich mit einigen Dutzend Traditionskommunist*innen und den wenigen Angereisten auseinandersetzen – anstatt mit der gesamten antifaschistischen Szene. Unter diesen Umständern wird klar, warum Pegida NRW noch immer läuft und auch, dass das vorerst so bleiben wird, solange sich nichts ändert.

Bei der Abreise wurde es zwischenzeitlich noch einmal brenzlig: im Bahnhof stürmten einige HoGeSas auf zwei Genoss*innen zu, diese wurden allerdings schnell von der Polizei beschützt. Die Neonazis durften zuerst abfahren, sodass wir erst spät abreisen konnten. Im Bahnhof liefen währenddessen noch einige Pegidiot*innen herum. Auch hier sind wir von der Organisation der Gegenproteste enttäuscht: sowohl in Düsseldorf als auch in Köln gab und gibt es Strukturen, die vor so etwas warnen. Ähnliche Kritik an der Organisation hat uns aus Düsseldorf erreicht. Erwähnenswert finden wir auch das Verhalten der Polizei: als ein gewaltfreier Anarchist zugab, Angst vor den Neonazis zu haben, bemerkte ein Polizist: „Wenn Faschisten vor Faschisten Angst haben, weiß ich auch nicht mehr weiter“.

Alles in allem hat es sich gelohnt, nach Duisburg zu fahren. Trotz der Kritik wollen wir wiederkommen und rufen auch andere antifaschistische Gruppen dazu auf, vermehrt nach Duisburg zu mobilisieren. Helfen wir den in Duisburg lebenden Geflüchteten, Muslim*innen, Roma, Antifaschist*innen und allen, die keine Lust auf die Hetze von Pegida NRW haben – montags auf nach Duisburg. Denn wie es dort momentan ist, sollte es nicht bleiben!





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