Redebeitrag zur Libertären 1. Mai-Demo in Köln

Hallo Compañeras*… , liebe Genoss*innen. Wir demonstrieren hier heute am 1. Mai, weil wir dieses System, dem wir ausgesetzt sind, als Angriff auf unser aller Freiheit verstehen. Die herrschaftliche Gewalt, die uns in unserem Alltag unterdrückt, kotzt uns massiv an. Genau wie in Dortmund, Bonn, Wuppertal, Berlin, Hamburg und weltweit wehen auch hier heute die schwarzen Fahnen, um zu signalisieren, dass wir uns gegen Herrschaft und Unterdrückung organisieren, für eine herrschaftsfreie Gesellschaft einstehen, und das gute Leben für alle fordern!

Warum haben wir heute eine eigene Demo organisiert und stehen nicht beim DGB?

Am 22. Mai 2015 will der Bundestag das sogenannte Tarifeinheitsgesetz verabschieden. Dazu ein paar Worte: Der Deutsche Gewerkschaftsbund möchte – entgegen des Protests einiger Mitgliedsgewerkschaften – das Streikrecht mithilfe der sogenannten „Sozialdemokratischen“ Partei Deutschlands massiv einschränken. Nur noch die mitgliederstärksten Gewerkschaften sollen das Recht haben, den Betrieb durch Streiks lahmzulegen. Das heißt im Klartext: Kleineren Gewerkschaften wird das Streikrecht entzogen. Warum uns das nicht gefällt? Dazu ein kurzer Rückblick in die Geschichte: Am 10. Mai 1933 wurde durch die Zerschlagung der Gewerkschaften durch die Nazis das Streikrecht komplett abgeschafft. Erst nach dem Nationalsozialismus bekamen die Gewerkschaften wieder Rechte zugesprochen und konnten sich solidarisch organisieren. Die heutige Situation ist damit zwar nicht zu vergleichen, aber es ist eine Unverschämtheit, dass kleineren, kämpfererischen und/oder antikapitalistischen Gewerkschaften wie der basisdemokratischen Freien Arbeiter*innen Union oder der Gewerkschaft deutscher Lokomotivführer das Streikrecht entzogen wird, um handzahme neoliberale Gewerkschaften zu bevorzugen. Wir fordern dass wir alle die Wahl haben, wie und wo wir uns gewerkschaftlich organisieren, wie und wo wir streiken und werden uns vom Staat verdammt nochmal nicht die Hände binden lassen. Für die freie Assoziation der Arbeitenden und Lohnabhängigen!
Noch ein Grund, warum wir uns für eine eigene Demonstration entschieden haben, ist der Arbeitswahn des DGB, der sogenannten sozialen Marktwirtschaft aber auch der autoritär-kommunistischen Kräfte, die sich heute wieder am DGB-Marsch beteiligen. Der „Held der Arbeit“ wurde in der DDR ebenso gefeiert wie leistungsstarke Menschen im Staatskapitalismus.
Wir wollen jedoch keine Gesellschaft, in der Menschen nur etwas wert sind, wenn sie einer Lohnarbeit nachgehen und somit tagtäglich das Hamsterrad von Konkurrenz und Profit am Laufen halten. In diesem kranken System leiden immer mehr Menschen an Burnout-Syndrom, Depressionen und anderen körperlichen oder psychischen Beschwerden. Daher: Für das Recht auf Faulheit – getreu nach dem Motto „jeder Mensch nach seinen Fähigkeiten, jedem nach seinen Bedürfnissen“. Wir wünschen uns auch kein Konkurrenzdenken, kein gegeneinander arbeiten, sondern ein gemeinsames solidarisches Produzieren und Konsumieren.

Unser Ziel ist eine Gesellschaft des Miteinanders, in der alle Menschen als gleichwertig angesehen werden. Diese kann nur entstehen, wenn jegliche Form von Herrschaft – wie sie z.B. durch Staat, Nation, Religion, Patriarchat oder Eigentum entsteht – überwunden wurde. Wir wollen selbstverwaltete Betriebe, Syndikate und Kommunen: Menschen sollen sich in Gewerkschaften und Kolletiven zusammenschließen, gemeinsam und konsensbasiert entscheiden und das immer möglichst auf der niedrigsten Ebene. Repräsentant*innen sollen direkt wähl- und abwählbar sein und haben die Aufgabe, die Interessen der Gruppe zu vertreten – nicht ihre eigenen.

Die bestehende Ellenbogengesellschaft führt jedoch zu einer Gesellschaft des Gegeneinanders, zur Bildung von Ideologien, die verfehlte Kapitalismus- oder Herrschaftskritik anführen. Aktuell ist besonders der Nationalismus eine große Bedrohung und spaltet die Gesellschaft entlang ethnischer und religiöser Grenzen. Die der eigenen Volksgemeinschaft zugehörigen Menschen werden gegenüber den als fremd wahrgenommenen bevorzugt. Besonders Geflüchtete und Muslim*innen werden vermehrt angefeindet – und für gesellschaftliche Missstände verantwortlich gemacht.
Nachdem tausende Menschen auf ihrer Flucht vor Hunger, Krieg und Verfolgung im Mittelmeer ihr Leben ließen, forderten die Politiker*innen der Europäischen Union härtere Bekämpfung der „Schleuserbanden“ anstatt die europäischen Außengrenzen – eine massive Einschränkung des Rechts auf Bewegungsfreiheit – endlich einzureißen. Wo Menschen leben, wohnen und arbeiten wollen sollten sie selbst entscheiden können. No border no nation!

Ausbeutung und Unterdrückung sind die logische Konsequenz von Herrschaftsverhältnissen. Jede Autorität, jede Hierarchie führt zu Herrschenden und Beherrschten, Augebeuteten und Ausbeutenden. Teils ohne sich dessen bewusst zu sein spielen wir nach den vom System vorgegebenen Regeln. Wer sich dagegen wehrt, wird automatisch zur Außenseiter*in. Wer sich Befehlen nicht unterordnen will, wird gefeuert. Wer nicht auf dem Amt erscheint, bekommt Bezüge gestrichen. Unsere Alternative ist eine Gesellschaft ohne Hierarchien, in der wir uns – sowohl in Kommunen als auch in Betrieben – basisdemokratisch ohne Chefs organisieren. Die politische sowie ökonomische Macht wollen wir durch föderale Strukturen von unten nach oben organiseren.

Wir sagen: Raus aus dem DGB! Rein in die Föderationen! Den Anarchismus organisieren!

Hoch die antinationale Solidarität!

1mai
Bild der Spitze der Demo





Stoppt die Vorratsdatenspeicherung! Jetzt klicken & handeln!Willst du auch bei der Aktion teilnehmen? Hier findest du alle relevanten Infos und Materialien: