Bericht zu den Blockupy-Protesten am 18.03.15 in Frankfurt am Main

Wir waren am 18.3. in Frankfurt. Wie wir die Proteste erlebt haben, erfahrt Ihr im nachfolgenden Text.

Bericht zu den Blockupy-Protesten am 18.03.15 in Frankfurt am Main

Bereits am 17. März brachen wir frühmorgens Richtung Frankfurt auf, um am darauffolgenden Tag an den Protesten gegen die EZB-Eröffnung teilzunehmen. Der Tag hatte schon im Vorfeld einen hohen Symbolcharakter durch die große europaweite Mobilisierung von Kapitalismusgegner*innen erhalten. Ums kurz zusagen: Wir fuhren nach Frankfurt, um gegen die Gesamtscheiße bestehend aus Staat, Nation und Kapital zu protestieren.

Blockupy. Foto: Leonhard Hamerski
Foto: Leonhard Hamerski

Den Nachmittag des 17. verbrachten wir im Naxos-Theater, das den Aktivist*innen während der Protesttage als Infostelle und Rückzugsort zur Verfügung stand. Hier war die Stimmung ausgelassen, es wurde gemeinsam gekocht, viele Menschen saßen in der Sonne, diskutierten und lernten einander kennen.
Auf dem Aktiventreffen erfuhren wir von den ersten Repressionen: Einige Anreisende mit großen Rucksäcken waren kontrolliert worden und teilweise wurden die Rucksäcke unter fadenscheinigen Begründungen konfisziert. Hier wurde schon im Vorfeld bewusst Druck auf Demonstrant*innen ausgeübt, die Fronten wurden durch die Repressionen unnötig verhärtet.
Das Vorbereitungstreffen am Abend des 17. März im DGB-Haus war ziemlich überfüllt. Der DGB hatte veranlasst, dass die Stühle im Raum stehen bleiben müssen, was einige Aktivist*innen nicht davon abhielt, diese spontan beiseite zu räumen, um Platz für weitere Menschen zu schaffen. Die Stimmung war kraftvoll, optimistisch, kämpferisch.

Als wir am 18. März die erste Blockade am Nordende der Flößerbrücke erreichten, brannten dort bereits die Barrikaden. Auch hier war die Stimmung zunächst positiv, bis die Polizei den Platz brachial unter Einsatz von Reizgas , Tränengasgranaten, Schlagstöcken und Wasserwerfern räumte. Auch von Gegendemonstrant*innen wurde mit Gegenständen auf die Polizist*innen geworfen.
Wir verstehen die Wut, die hinter solchen Handlungen steckt, trotzdem sehen wir dies generell kritisch, weil Gewalt gegenüber Lebewesen aus unserer Sicht keine Probleme löst. Desweiteren hatte die Polizei vorher über Lautsprecher angesagt, dass sich friedliche Demonstrierende von der Blockade entfernen sollen. Einige Gewalt-averse Menschen, die sich daraufhin an den Rand des Platzes begaben, wurden jedoch
während der Räumung ebenfalls gewaltsam von der Polizei vertieben.

Nach der Räumung nahmen wir an einer angemeldeten Mahnwache teil, auch dort stellte sich die Polizei bedrohlich auf und versuchte später, dazustoßende Menschen wegen Vermummung herauszuziehen, was durch solidarischen Einsatz verhindert werden konnte.
Auf unserem Weg zu einer anderen angemeldeten Mahnwache kamen wir an einem Polizeikessel vorbei, in dem – wie wir vor Ort erfahren haben – Italiener*innen stundenlang festgehalten wurden.
Von dort entstand eine lautstarke Spontandemonstration zur EZB, die allerdings kurz vor der Sperrzone aufgehalten wurde.

Blockupy
Als zweite Welle-Aktion begaben wir uns zur BILD-Redaktion Frankfurt und stellten vor dem Eingang eine Mauer aus Kartons auf. Diese Kartons waren mit Parolen beschriftet wie „Block Bild“, „Journalismus, ja ja“ usw., ein Foto davon haben wir bereits hochgeladen. Bei dieser Protestaktion ging es uns generell um die unsägliche Hetze der Springerpresse, jedoch vor allem um die Selfie-Aktion gegen die „gierigen Griechen“.
Auch die BILD-Redaktion bedient sich der Scherg*innen der Kötter Security, die z.B. im Hambacher Forst gewaltsam gegen Umweltaktivist*innen vorgehen und somit den Ecozid vorantreiben. Solidaritätsgrüße gehen an dieser Stelle an die Compas* im Hambacher Forst.
Die dortigen Security-Mitarbeiter*innen sowie die umstehenden Passant*innen reagierten jedoch gelassen bis erfreut, Fotos wurden geschossen und Tipps zu der besten Position der Kartons gegeben.

Bei der Kundgebung am Römer konnten wir uns etwas erholen, es gab vegane Volxküche, internationale Redner*innen und zu unserem Bedauern einige verschwörungstheoretische Aussagen.
Bei der darauffolgenden Demonstration wurden Menschen mit schwarzer Kleidung vom „umsGanze…“-Block abgewiesen, durch Lautsprecheransagen wurden diese herumgescheucht und auch an den Stellen, an denen sie sich einordnen sollten, wurde von Ordner*innen mit körperlichem Einsatz durchgesetzt, dass sich unerwünschte Menschen nicht in diesem Block aufhalten. Dieses teils ruppige Verhalten wurde durch die strengen
Auflagen seitens der Polizei rechtfertigt, hat jedoch einigen Menschen das enttäuschende Gefühl gegeben, auf diesem Teil der Demonstration nicht erwünscht zu sein.
Im Allgemeinen war der Verlauf der Demo friedlich, auf dem Opernplatz klang die Kundgebung schließlich aus und die Menschen fuhren größtenteils nach Hause.

Alles in allem hat sich der Ausflug nach Frankfurt gelohnt. Wir haben den Aktionstag im Großen und Ganzen positiv und von unserer Seite aus friedlich erlebt.
Wir haben uns sehr über die internationale Beteiligung gefreut, gemeinsam haben wir ein deutliches Signal an das europäische Krisenregime gesandt, dass deren Austeritäts- bzw. Sparpolitik in dieser Form nicht weitergehen kann. Die Wut gegen diese Politik ist für uns nachvollziehbar, die Form der Berichterstattung über die Blockupy-Proteste hingegen weniger.
Zum einen ist es ein Armutszeugnis der bürgerlichen Presse, sich einerseits auf einige brennende Autos und gewalttätige Proteste zu konzentrieren und andererseits viele bunte und kreative Protestformen mit Missachtung zu strafen. Zum anderen ist es symptomatisch für einen Teil der Bevölkerung, sich über sichtbare Gewalt gegenüber Gegenständen zu echauffieren, aber über strukturelle und auch weiter entfernte Gewalt – zum Beispiel an den europäischen Außengrenzen durch Frontex, Grenzzäune und -beamt*innen – zu schweigen. Doch man muss die EU-Außengrenzen gar nicht verlassen, um strukturelle Gewalt zu finden: Derzeit leben z.B. Millionen von Südeuropäer*innen ohne Krankenversicherung und auch in Deutschland werden Menschen in den Leistungsdruck der kapitalistischen Gesellschaft gezwungen.
Dennoch sind die Gegenstände von Wut und Aufregung die brennenden Polizeiautos in Frankfurt, welche lediglich Symptome des verfehlten Konstruktes aus Staat, Nation und Kapital sind.

„Scheiben klirren und ihr schreit, Menschen sterben und ihr schweigt“





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